Der Schriftsteller Franz Kafka notierte am 01. August 1914 in seinem Tagebuch: „Deutschland hat Russland den Krieg erklärt. Nachmittag Schwimmschule.“

Mit dieser Formulierung drückte Kafka eine Erwartung vieler Zeitgenossen aus: „ein kurzer, erfolgreicher Krieg mit anschließender Rückkehr zur friedlichen Normalität.“ Doch es kam anders und es begann ein vierjähriges, blutiges Massensterben mit Millionen Toten.

1939 vor exakt 80 Jahren erklärten wir Polen den Krieg und bis 1945 verloren über 50 Millionen ihr Leben. Zwei Kriege die Europa verändert und geprägt haben. Die nicht nur unter Soldaten gewütet, sondern auch die Zivilbevölkerung in verheerender Weise getroffen haben.

All diese Millionen von Toten fordern uns auf, dafür zu sorgen, dass schon die Ansätze solcher Ideologien bekämpft werden, dass die freiheitlich demokratische Grundordnung welche uns durch die Generation die den Krieg und das Unrecht erleben mussten, gegeben wurde, von uns auch eingehalten wird.

Es muss uns „Wert, Verpflichtung“ sein und wir müssen dankbar sein, dass wir in Frieden und Freiheit leben können. Wir denken an persönliche Schicksale in abstrakten Kämpfen um Staatsinteressen, in Glaubenskriegen, in Schlachten politischer Ideologien. Dieses Innehalten ist umso wichtiger, wenn wir uns vor Augen halten, wie sich uns die Welt heute darstellt: Die vielen Kämpfe wie in der Ukraine, die zahlreichen Bürgerkriege wie in Syrien, die Eskalationen im Gaza- Streifen, die Schreckensherrschaft der Terroristen des islamischen Staats im Irak.

Der Autor Henry Miller drückte es wie folgt aus: „Jeder Krieg ist eine Niederlage des menschlichen Geistes“. Geschehenes Unrecht ungeschehen machen, können wir nicht! Aber über die Generationen hinweg versuchen, Unrecht und Unmenschlichkeit zu vermeiden, das können wir sehr wohl. Wir dürfen in einem Land leben, in dem seit über 70 Jahren Frieden herrscht, in dem wir unsere Meinung frei äußern dürfen, wir selbst bestimmen können, wie und wo wir leben möchten. Wo durch die sozialen Netze benachteiligte Menschen aufgefangen und versucht wird versorgt zu werden und wo gegenseitiger Respekt, Achtung und Wertschätzung nicht nur gesprochen, sondern auch gelebt wird, aber auch gelebt werden sollte. Aber trotz all dem sind auch wir betroffen von Menschen welche Angst, Schrecken und Terror in unserem Land verbreiten und unsere Werte infrage stellen.

Eine Perspektive zu haben ist nicht in allen Ländern gegeben, aber notwendig um Heimat im eigenen Heimatland zu finden. Hier sind wir in der Pflicht diese Hilfe zu geben. Nur wenn die Grundlagen zum Leben gegeben sind, kann es stabile Staaten geben, können die endlosen Fluchtkarawanen vor Hunger, Durst und Armut vermieden werden. Stabile Staaten sind ein Schritt gegen den Krieg. Deshalb sind wir im Verband der internationalen Staatengemeinschaft in der Pflicht, in den Krisengebieten unserer Welt alles zu versuchen, um den Frieden zu erhalten.

Der Volkstrauertag muss in unserem Gedächtnis aktuell bleiben. Zur Ehre derer, die von Menschen mit ideologischen Wahnvorstellungen die Welt beherrschen wollen, in den Tod geschickt wurden, damit dem Bösen in unserer Welt stets genügend Gute entgegenstehen, damit solches Unrecht nicht mehr von unserem Lande ausgehen werden wird. Ein Weg, der lang und beschwerlich, aber darum nicht weniger lohnenswert ist!

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